Verfasst von: dunaengus | März 18, 2011

Zum Japan-Bild der Deutschen

Es brauchte der aktuellen Katastrophen in Japan um mich zum Schreiben eines neuen Blog-Artikels zu bewegen.

Die unverschämte E-Mail der SPIEGEL-Redakteurin Nora Reinhardt an einen japanischen Akademiker veranlasst mich dazu, hier öffentlich zu werden. Zunächst veröffentliche ich die dreiste, dumme und subversiv-rassistische E-Mail von Frau Reinhardt. Diese schrieb dem Japaner Mishima Ken’ichi folgende E-Mail:

From: Nora_Reinhardt

Date: 2011/3/17

Subject: questions

To: Kenichi Mishima

 

Dear Mr. Mishima,

 

I am so sorry, I made a mistake with the time. I think it is now to

late to call you for a short telephone interview. If you read this,

because you’re still up, I would be happy if you’d call me, but of

course, I  wouldn’t expect it. If possible, I would be happy if you

would share your thoughts with me about the following topics. Maybe

one or two quotes would be enough for our article. It would be great

if your thoughts would circle around the two following questions:

 

Why do the Japanese people stay in Japan? Is there any philosophical,

typical japanese approach to that matter of fact? Do you have an

explanation for this, for us very surprising, fact. Why do the

Japanese stay calm and in Japan?

 

How important are famous books and comics and films who deal with

great catastrophies in japanese culture for the minds of the Japanese.

Is the motif of catastrophies in popular japanese culture one of the

main reason for the fact, that the Japanese – as you – do not flee out

of their country despite the earthquake?

 

I would be very happy, if you could tell me your opinion on those

questions of quote an influential japanese philosopher or send me one

of your articles/exposees regarding the culture of Japan.

 

Sorry again for disturbing you so late.

All the best for you,

Nora Reinhardt

 

Viele Grüße,

Nora Reinhardt

 

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———————-

DER SPIEGEL  Kultur

Brandstwiete 19, 20457 Hamburg

Postfach 11 04 13, 20404 Hamburg

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SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG, Sitz und Registergericht

Hamburg HRA 61 755

Komplementärin Rudolf Augstein GmbH, Sitz und Registergericht Hamburg

HRB 13 105,

Geschäftsführer Ove Saffe</span>

 

Diese E-Mail ist so unglaublich dreist, dass mir eigentlich die Worte fehlen. Mal wieder wird hier das Bild von DEN Japanern vorgeholt, ein leider nicht nur, aber v.a. in Deutschland typisches Verhalten. Die Meinung, Japaner seien alle “anders”, und natürlich homogen-mehrheitlich anders, ist eines der hartnäckigsten Japan-Vorurteile des Westens. Spontan fällt mir hier nur der Vergleich zum Bild von “den Juden” ein.

Da ist zunächst die ganz banale Dummheit dieser E-Mail:

Hallo? Wie sollen denn bitteschön “die Japaner” das Land verlassen? Zu Fuß? Oder mit den maßlos überteuerten Flugtickets? Auf den nicht mehr befahrbaren Strassen über das Wasser gleiten mit Amphibienfahrzeugen? Und selbst wenn alles wie gehabt wäre: wie Dumm ist diese Frage bitte? Selbst eine Metropole wie Tokyo kann nicht evakuiert werden. Stellen Sie sich doch bitte mal einen Augenblick lang 25 Millionen Menschen, Stromausfall, Benzinmangel und den Zusammenbruch der öffentlichen Verkehrsmittel vor…

Und dann natürlich der rassistische Part. “Die Japaner” liest man in Deutschland so oft, hört es auch so oft. Warum muss ich da immer an “die Juden” denken?

Vielleicht sollte man Vertretern der Journaille vom Schlag einer Frau Reinhardt einfach mal ein paar fiese Gegenfragen stellen.

Wie zum Beispiel:

“Warum sind die Deutschen nach der Kapitulation 1945 in Deutschland geblieben? Liegt das an der deutschen Niebelungentreue-Mentalität?”

“Wie wichtig sind die Werke der Weimarer Klassik, der Philosophen und der Nazi-Literatur für die Deutschen, wenn sie die nationalen Katastrophen anderer Länder stellvertretend in ihren Feuilletons erleiden? Liegt es an Hegels unsäglicher Inszenierung “des Geistes” dass bei den Deutschen ständig Kopf-Kino angesagt ist, und liegt es an Adolf Hitler, dass sie wie Lemminge immer der Meinung hinterherlaufen, die am Lautesten verkündet wird?”

 


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