Posted by: dunaengus | Mai 17, 2008

Frühling, Serien, Beförderung…

Nach einem kurzen Gastspiel an der Japanologie Tübingen (der “Arbeitskreis Japanische Religion” hatte sein alljährliches Treffen und ich durfte über meine Magisterarbeit und meinen Job bei Google vortragen), bei dem ich leider kaum Freunde treffen konnte vor Plänen, Terminen etc… (ein grandioser Abend meines Vaters im Tübinger Sudhaus war das absolute Highlight und den hohen Eintrittspreis mehr als wert, doch dazu mehr in einem gesonderten Thread) bin ich nun also schon seit 5 Tagen zurück in “Paradise City”…

Und das Wetter ist erstaunlich schön diese Tage, seit einer Woche jeden Tag Sonne und kaum Regen. OK im Vergleich zu Deutschland ist es hier kühler, da fast ständig ein Wind geht, aber dennoch können wir zum ersten Mal dieses Jahr unseren Garten geniessen.

Heute habe ich wiedermal gemerkt, dass mehr Schwabe / Deutscher in mir steckt als ich dachte. Der Rasen vor unserem Haus sowie in unserem Garten schrie geradezu nach einem Rasenmäher, und der heutige schöne Samstag bot sich da natürlich mehr als an. Also den alten Elektro-Rasenmäher aus dem Schuppen geholt und frisch ans Werk gemacht (nachdem ich den Vormittag mit der vorletzten “Lost”-Folge der 4. und der letzten “Supernatural”-Folge der 3. Staffel verbracht hatte…). Und beim Arbeiten hatte ich sogar richtiggehend Spass daran, das garstige Grün umzumähen und die Reste bis zur totalen Vernichtung zusammenzuharken…  :-)

Und nur das Fehlen eines geeigneten Besens hielt mich davon ab, die Straße zu fegen - hier kam ganz klar die Kindheit und Jugend im Schwäbischen zum Vorschein, allerdings kühlte sich mein Mut nach getaner Arbeit dann doch wieder, und jetzt stelle ich mir viel existentiellere Fragen:

WAS UM GOTTES WILLEN SOLL ICH DENN JETZT GUCKEN??

Lost ist in zwei Wochen erstmal mit der 4. Staffel fertig, Supernatural (super letzte Folge, mal wieder mit dem Klassiker “Carry On Wayward Son” von Kansas eröffnet, und mit einem geradezu “Hellraiser-esquen” Ende) geht erst im September weiter, dasselbe gilt für “Heroes” und “Prison Break”. Gar nicht zu reden von der allzu kurzen “Terminator - The Sarah Connor Chronicles” - Serie, die wegen des vermaledeiten Writer-Streiks nach nur 9 Episoden endete und deren Schicksal weiterhin ungewiss scheint (super war der Johnny-Cash-Song am Ende der letzten Episode…).

DS9 hatte ich mir nun noch die 7. Staffel auf DVD geholt (bei amazon.co.uk für ca. 25.- Euro neu inklusive Porto…unglaublich…und deutsche Sprache war auch dabei, nicht dass ich das nutze, aber amazon.co.uk ist mehr als nur eine “Alternative” zum Deutschen Markt in Sachen Serien-Staffeln).

Also, ich bin offen für Tipps jeglicher Art! Dank Pirate-Bay und BitLord hol ich mir Serien in schönster Qualität relativ flott auf die Platte, es stellt sich nur die Frage, welche Serien sich wirklich lohnen… Battlestar Galactica? Die paar Folgen die ich sah haben mich nicht wirklich begeistert. “The Shield”? Ja gute Serie aber irgendwie hab ich keinen Bock auf “real life Bullen-Kram”… Dr. House soll ja keine “Arztserie” im klassischen Sinn sein, aber trotzdem hab ich Bedenken, damit jetzt noch zu beginnen… und die Housewives hab ich schon lange AdActa gelegt, Weeds fand ich scheisse und da steh ich jetzt und weiss nicht weiter :-)

Achja vorgestern wurde ich befördert, bin jetzt kein Trainee mehr, bekomme also ein paar Kröten mehr jeden Monat (pünktlich zum Rückzahlungsbeginn für mein Abschlussbafög und Bildungskredit ab diesen Monat… also eine Nullrechnung) und v.a. den wesentlich höheren Quartalsbonus - es geht also aufwärts, langsam zwar aber immerhin… habe mir sagen lassen dass WEIT ausserhalb von Dublin (also z.B. in Wexford) die Mieten ganz normales Niveau hätten, ich könnte also bei Wohnen dort monatlich ca. 700-800 Euro sparen, müsste aber ca. 3 Stunden täglich im Zug verbringen… sobald ich in der Lage bin, mir einen Umzug auch wirklich leisten zu können, werde ich diese Option ernsthaft andenken. Wär schön, zur Abwechslung auch mal Geld auf die Seite legen zu können…

So, dann werd ich mich mal wieder dem Samstag zuwenden. Prost! (die Beförderung natürlich gestern abend noch mit einigen Pints gefeiert…)

Posted by: dunaengus | Mai 3, 2008

Heimweh

“Heimweh” - welch seltsames Wort. Es ist so sehr deutsch, dass es einem im Allgemeinen Sprachgebrauch kaum auffällt, das “deutsch-sein” dieses Wortes.

Heimweh klingt so sehr nach “Wehmut”, es schwingt ein gut Stück Heine darin.

Das Englische “homesick” ist eigentlich treffender, denn ähnlich wie der culture shock ist die homesickness in der Tat ähnlich einer Krankheit.

Heimweh ist fies, oft überfällt es mich, wenn ich es am Wenigsten erwarte.

In Irland ist jetzt Frühling, und seit ein paar Tagen sogar “unzynischer” Frühling, d.h. der Himmel ist öfter blau als bewölkt, und es scheint richtiggehend die Sonne. Abends ist es oft noch bis 20 Uhr hell, und mit Sweater schwitzt man sogar in den Straßen.

Die Bäume spriessen, Kirsch- und Apfelblüte wenn ich mich nicht täusche, und die Menschen wirken entspannter, fröhlicher.

Heute bin ich am Meerufer entlang zum Supermarkt gegangen und war eigentlich in guter Stimmung. Schließlich werde ich nächste Woche für ein paar Tage die Familie in Deutschland besuchen.

Dann im Supermarkt (ich hatte meine tolle Kundenkarte vergessen und konnte nicht wie sonst den elektronischen Checkout benutzen) warte ich in der Schlange an der Kasse und während ich mit Gedanken ganz woanders bin (nächste Woche halte ich an meiner Alma Mater einen Vortrag über meine Magisterarbeit und meinen derzeitigen Brötchengeber), fällt mein abwesender Blick auf die Einkaufswägen der Menschen vor mir.

Eine kleine, ältere, blonde Frau in der Schlange vor mir hat 3 Riesenpackungen weisses Toasbrot, 2 Gallonen Milch in den hier üblichen Plastikflaschen, einen gekochten Schweineschinken und einige Packungen der typisch irischen Schweinswürstchen im Wagen. Irischer geht es nicht. Der Blick schweift auf die Einkaufswägen anderer Menschen. Ähnliche Resultate (in meinem Wagen sind magere 250 Gramm Schweinefleisch, eine Fertigsauce für englisches Curry, indisches Naan-Brot und etwas Gemüse…) bei all den anderen (irischen) Supermarktbesuchern: alle haben sie so typisch irische Produkte in ihren Einkaufswägen, als wäre die Szene für eine Fernseh-Show gestellt worden!

Und plötzlich ist es da, das Heimweh. Es durchzuckt mich wie in Blitz aus sprichwörtlich heiterem Himmel, ich fühle mich - fremd. Ich bin fremd.

Natürlich weiss ich, dass alle anderen wissen, dass ich fremd bin. Ich schaue die Menschen an - den etwas dicken Typ an der Kasse, der lockige Kerl, der die Sachen für einen in die Einkaufstüten packt, und mich irgendwie an Pippin aus den ‘Herr der Ringe’-Verfilmungen erinnert, die Leute vor und neben mir - ‘irische Stereotypen’.

Es ist ein seltsames Gefühl, dieses Heimweh. Es ist Sehnsucht. Nicht nach “Deutschland” (ein Begriff, mit dem ich, Hitler hin, Matussek her, nix anfangen kann), nicht nach “Heimatboden”.

Es ist ein Sehnen nach dem mir bekannten Kulturkreis.

Nein. Es ist das schlagartige Bewusstwerden, das körperliche Fühlen der 1200 Kilometer zwischen meinem jetzigen Seins-Punkt und dem Ort meiner Kindheit, meiner Eltern.

So gesehen ist Heimweh ein Gefühl, dass ich sicher auch in Berlin bekommen kann. Denn nur weil es dort mehr Nutella und weniger irisches Schweinefleisch gibt, heisst das ja noch lange nicht, dass ich in Berlin “heimisch” werden könnte.

Es ist auch die Situation: ich bin ja nicht nur für ein Jahr hier, wie damals in Japan (wo “Heimweh” sicher auch ab und an im Spiel war, allerdings hatte es dort mehr gespielten Charakter, ich konnte mich dort in meinem künstlichen Heimweh und Weltschmerz im Grunde auch sauwohl fühlen).

Hier und jetzt ist mir elend zu Mute, da hilft auch kein Ryanair. Es ist das Erkennen, dass ich in der Tat ausgewandert bin. Fini. No turning back. Zumindest nicht “einfach so”: schnauze voll, zurück nach Hause - schnell und billig ist das nicht zu haben (und meine Bücher opfere ich auch dem Heimweh nicht).

Ja ich bin immer noch stolz, dass ich dem Arbeitslosenverwaltungsamt ein Schnäppchen geschlagen habe und nun bei der besten Firma der Welt arbeite. Ich bin immer noch der Meinung, dass es in Deutschland zu viele Dinge gab, vor denen ich davon ausgewandert bin. Ich bin mir immer noch bewusst, wie eingeengt und gefangen ich mich in Schwaben immer gefühlt habe und auch immer fühlen werde.

Und plötzlich muss ich an Heine denken. Der hat es in Deutschland auch nicht mehr ausgehalten, um dann in der Fremde, im Exil, sich regelrecht danach zu sehnen.

Ein in der Tat seltsames Gefühl, Heimweh.

P.S.

Inzwischen bin ich mir bewusst, dass es in meinem Fall mehr mit den Menschen, welche ich zurück lies, zu tun hat als mit irgendwelchen nationalen oder regionalen Besonderheiten. Familie und Freunde - sie sind und bleiben meine wahren Heimat… ihr fehlt mir.

Posted by: dunaengus | April 24, 2008

Islam”wissenschaftler”

Lizas Welt amüsiert mich immer wieder.

Heuer las ich von der Iranistin und Islam”wissenschaftlerin” Katajun Amipur. Diese stellt wohl gerne klar, dass der Iran ja nur “halb so schlimm” sei. Ich copy-paste mal Textpassagen aus Lizas Blog, einfach weil die so geil sind.

Schon vor knapp vier Jahren vermeldete sie in der Süddeutschen Zeitung nachgerade elementare Menschenrechtsfortschritte im Land der Mullahs: Zum einen würden dort des vorehelichen Geschlechtsverkehrs bezichtigte sechzehnjährige Mädchen nun nicht mehr gesteinigt, sondern nur noch erhängt – was nicht näher bezeichnete „iranische Menschenrechtler“ laut Amirpur (Foto) für „einen Schritt in die richtige Richtung“ hielten, weil sich darin eine „Abkehr vom angeblich unflexiblen Korsett des islamischen Rechts“ zeige. Zum anderen sei „das offizielle Heiratsalter nach zähem Ringen zwischen Reformern und Konservativen von neun auf zehn Jahre erhöht worden“. Ein glanzvoller Sieg der Humanität also, schwer und womöglich verlustreich erkämpft von den besagten „Reformern“, die im Westen bekanntlich so sehr geschätzt werden. Und in der Tat könnte doch alles viel schlimmer sein – die Mullahs hätten schließlich auch das Teeren und Federn für vor- und außereheliche Liebesakte befehligen und die Kurzen schon im Kindergartenalter unter die Haube bringen können.

Was soll ich sagen? Adolf-Ahmadinedjad gehört ganz klar entmachtet. Wer Saddam Hussein für “das Böse” hielt, war meiner Meinung nach schon Anfang der 90′er auf dem Holzweg. Im Vergleich zu den Absichten des iranischen Faschisten war Saddam ja “nur” ein “old style hedonistic dictator”… der dann halt nicht die Ghaddafi-Kurve hin zum “Kuschelkurs mit dem Westen” gekriegt hat sondern wohl ETWAS zu grössenwahnsinnig wurde.

Mit Ahmadinedjad haben wir aber ein ganz anderes Kaliber von Diktator, und der Unterschied ist m.E. nach mal wieder die verdammte religiöse Dimension, die aus kleinen Hirnbesitzern größenwahnsinnige Missionare macht. Adolf Hitler war auch mehr als “nur” ein grössenwahnsinniger Eroberer - er hatte ganz klare, weltanschaulich-religiöse Ansichten, welche als Grundmotive für sein Handeln zu sehen sind. Eher so: sein Handeln ergibt ohne diese Weltsicht überhaupt keinen Sinn, ihn als “Irren” zu beschreiben (wie es ja die meisten tun) wird dem Fall nicht gerecht. Oder halt doch: aber als “religiösen Irren” bitteschön. Das Gift der Religion -in kleinen Dosen mag es sozial-psychologisch sinnvoll sein  und seine gesellschaftliche Funktion erfüllen- ist im Exzess genossen eben nie wirklich “gut”…

http://www.sudhaus-tuebingen.de/aktuell/8475.php

Mein Vater wird hier sowohl für das kulinarische als auch für das seelische Wohl der Gäste mitverantwortlich sein. Ist nicht ganz billig, aber hier sind einige involviert, es wird wohl auch Musik und mehrere Erzähler aus verschiedenen Ländern (Algerien, Irland, Polen und dem sog. “Palästina” geben).

Posted by: dunaengus | April 19, 2008

Ski-Trip 2008 - die Bilder

Zwischen dem 16. und 18. April fielen 2400 Kollegen und ich im kleinen Wintersport- und Sommerkurort Sölden in den tiroler Alpen ein und hatten die Gemeinde fest im Griff.

Zwei abende bedeutete dies für mich den Totalabsturz, das Wochenende brauche ich nun zum Regenerieren.

Fotos gibts in meinem Webalbum (Link in meiner Blogroll rechts).

Schon krass, v.a. wenn man bedenkt, dass die örtlichen Bars ja Bescheid wussten und dennoch absolut überfordert waren. Ob beim Mittagessen oder bei abendlichen Bieren - wer für 2400 Leute Drinks verkaufen will, sollte schon mehr als nur zwei oder drei Leute hinterm Tresen haben.

Kneipen, die nur für ca. 100 Leute ausgelegt waren, waren oft bis zum dreifachen überfüllt und man musste sich seine Drinks erkämpfen.

Für mich irren Auswanderer waren allerdings die Preise schon ein Geschenk der Götter: als ich am Donnerstag abend noch einen “Abschieds-Scotch” trinken wollte, kamen mir beim Preis für einen Glenfiddich (2,20 Euro) beinahe die Tränen. Wurde dann natürlich gleich ein Doppelter draus (hier in Irland bekommt man kein Glas Whisk(e)y unter 7 Euro, und natürlich passen die Barleute hier auf, dass kein Tropfen zu viel den Weg ins Glas der Kunden findet….

Aber auch die traditionellen Käsespätzle in der Eisenpfanne (8 Euro) brachten einen im Vergleich zu den hiesigen Preisen z.B. für einen Döner (7 Euro) schon in Freudenstimmung.

Alles in allem sehr gelungen, ich hatte meinen Spass (und habe die Skipiste natürlich nichtmal von Weitem gesehen. Aber wer fährt schon zum Skifahren in die Alpen wenn es so viel Après-Ski gibt…)

Posted by: dunaengus | April 16, 2008

Ski - Trip

Heute gehts los nach Sölden, Österreich…

Bis Freitag werden dort 1000+ Kollegen und ich auf Firmenkosten die Sau rauslassen. Die meisten werden wohl Ski fahren, da ich dies noch nie gemacht hab und in den letzten Jahren eine ziemliche Höhenangst entwickelt habe, werde ich - falls ich überhaupt was mache - lediglich ins Aquaspa gehen. Den Rest der Zeit wird eh gegessen und Party gemacht - bis es am Freitag morgen direkt zurück ins Büro nach Dublin geht…. na dann… Prost!

Posted by: dunaengus | April 12, 2008

Deep Space Nine - 7.Staffel

Habe mir jetzt die Slimeline-Edition der 7. Staffel geleistet.

Vor meinem Wegzug aus Deutschland hatte ich mir innerhalb weniger Wochen die ersten sechs Staffeln am Stück angeschaut (natürlich kannte ich auch da bereits alle Folgen noch von früher), leider hat die Zeit für die siebte und letzte Staffel nicht mehr gereicht.

Dieses Wochenende also legte ich los, und in Folge 4 “Take me to the Holo-Suite” gab es diesen einmaligen Dialog zwischen Chief O’Brien und Dr. Bashir.

Die Folge handelt von einer Herausforderung eines vulkanischen Captains, und zwar fordert er Captain Sisko zu einem Duell in Baseball (natürlich in einer Holo-Suite) auf.

Sisko hat nur 2 Wochen Zeit, seine Crew mit den Regeln vertraut zu machen und die absolut ungeübte Mannschaft auf das Duell mit den durchtrainierten Vulkaniern vorzubereiten.

Um sich ganz in die authentische Stimmung für dieses antiquierte Spiel zu versetzen, hat Chief O’Brien “Kaugummi” repliziert.

Verwundert fragt ihn Dr. Bashir, was das sei.

O’Brien: “Something traditional, they called it ‘chewing gum’”

Bashir: “They just… chewed it?”

O’Brien: “No, they infused the gum with flavor”

Bashir: “What flavor did you infuse it with?”

O’Brien: “Scotch”

Allein die Vorstellung… klasse! Aber warum auch nicht, in Japan gibt es auch Kaugummis mit Grünem-Tee-Geschmack…

Posted by: dunaengus | April 9, 2008

Geschäft mit dem Teufel

Wie ich lese, hat die Schweiz nun einen exklusiven Energie-Deal mit der faschistischen iranischen Theokratie geschlossen.

Der offene Brief an die gefährlich-naive schweizerische Außenministerin Calmy-Rey einer im schweizerischen Exil lebenden Iranerin soll hier kommentarlos wiedergegeben werden. Übersetzt wurde der Brief aus dem Englischen von Liza und gefunden habe ich das Ganze in ihrem Blog.

Zahra Erfani

Offener Brief an Micheline Calmy-Rey

Ihre Exzellenz,
liebe Frau Calmy-Rey!

Ich bin eine iranische Frau im Schweizer Exil, und es ist mir eine Ehre, Mitglied der SP zu sein. Auf Ihre sozialen Fähigkeiten war ich einmal sehr stolz.

Seit etwa 22 Jahren kann ich den Iran nicht mehr besuchen. Ich musste mein Land verlassen, so wie Millionen meiner Landsleute. Mir wurde das grundlegende Recht genommen, meine Kleidung selbst zu wählen; stattdessen hatte ich einer staatlichen Kleiderordnung zu gehorchen. Mit totalitären Gesetzen werden iranischen Frauen zudem viele weitere Rechte geraubt, beispielsweise die Reisefreiheit, die freie Wahl des Arbeitsplatzes, die Möglichkeit der Ehescheidung, das Sorgerecht für Kinder, das Recht zu tanzen, Opern zu singen, jeden Sport auszuüben, an den Olympischen Spielen teilzunehmen und frei im Meer zu schwimmen. Die Konsequenz daraus ist eine Geschlechterapartheid, in der die iranischen Frauen als Menschen nur halb so viel wert sind wie die Männer. Ein Jahrhundert lang haben Frauen dafür gekämpft, ihre Kleidung frei wählen zu können, aber sie haben in den letzten 30 Jahren alles verloren, durch fortgesetzte Inhaftierung, Folter und Mord.

Liebe Micheline Calmy-Rey, ich möchte Sie darauf aufmerksam machen, dass es – anders, als Sie am 3. April bei der Eröffnung des Gleichstellungskongresses im Zürcher Volkshaus behauptet haben – nicht nur ein dünnes Stück Stoff war, das Sie da auf Ihrem Kopf trugen, sondern vielmehr ein Affront gegen alle Versuche und Bemühungen von Frauen im Iran und anderen Ländern in der Region, die freie Wahl ihrer Kleidung durchzusetzen und aufrecht zu erhalten.

Womit Sie Ihr Haar bedeckt haben, ist das Symbol für die Demütigung der iranischen Frauen sowie für die Verletzung ihrer Rechte durch die Männer und das patriarchalische Regime im Iran. Im Patriarchat werden Frauen systematisch von Männern dominiert. Das religiöse Patriarchat schließt Frauen überdies systematisch von einer Funktion innerhalb der religiösen Autorität aus; dem liegt die Annahme zugrunde, dass Gott männlich ist. Das ist das Symbol des frauenfeindlichen, barbarischen Regimes der terroristischen Mullahs im Iran, die sich nicht um die universelle Erklärung der Menschenrechte kümmern. Und es klafft eine große Lücke zwischen dem Mullah-Regime und der säkularen Regierung der Schweiz. Konsequenterweise sind die Mullahs strikt gegen freie, demokratische und fortschrittliche Regierungen, die für die Menschenrechte, eine zivilisierte Gesellschaft und die Rechtsstaatlichkeit eintreten.

Liebe Micheline Calmy-Rey, die Mullahs kennen viele verschiedene Tricks, um einer Isolation zu entgehen, und sie sind sehr glücklich über die wirtschaftliche Vereinbarung mit Ihnen, die sie ohne negative Konsequenzen seitens Ihrer Regierung und anderer unterzeichnen konnten. Das Regime ist sehr glücklich, wenn es den Iranern den Wohlstand rauben kann, während der Bevölkerung – der eigentlichen Besitzerin dieser Ressourcen – die Früchte dieses Vertrags vorenthalten werden.

Liebe Micheline Calmy-Rey, Ihre Tat ist leider ziemlich erschütternd und bricht die Herzen vieler Iraner. Sie schließen einen Kontrakt mit einem fanatischen, frauenfeindlichen und terroristischen Regime, und dabei sabotieren Sie den schmerzhaften Kampf iranischer Frauen für ihre Mindestrechte. Sie haben dadurch, dass Sie als Zeichen des Appeasements das Kopftuch trugen, teures Lehrgeld an das despotische, faschistische, reaktionäre, mittelalterliche, korrupte und kriminelle Mullah-Regime gezahlt. Dieses Regime, das Dissidenten steinigt, deren Hände und Füße amputiert und seine Gegner öffentlich erhängt, verdient keine Legitimation. Die große Mehrheit der Iraner hat die jüngsten iranischen Parlamentswahlen boykottiert.

Als Anwältin für Frauenrechte habe ich tiefen Respekt vor Ihnen, und ich hätte nicht gedacht, dass Sie einen Dialog mit einem früheren Henker wie Ahmadinedjad führen würden. Diejenigen, die für Demokratie und Freiheit kämpfen, erwarten von den europäischen Politikern einen Boykott der so genannten Islamischen Republik Iran, um das Leiden der iranischen Bevölkerung zu mindern – einer Bevölkerung, die das derzeitige inhumane, verbrecherische Regime durch eine demokratische Regierung ersetzen will.

Ich hoffe auf Ihre Solidarität mit der iranischen Bevölkerung, insbesondere mit den Frauen, die seit nunmehr fast 30 Jahren von den im Iran regierenden Kriminellen als Geiseln genommen werden. Das iranische Regime sollte wegen Verbrechen gegen die Menschheit vor Gericht gebracht werden.

Hochachtungsvoll

Dr. Zahra Erfani
Zürich, Schweiz

Posted by: dunaengus | März 30, 2008

Es war einmal…

… vor gar nicht langer Zeit, in einem gar nicht weit entfernten Land.

Morgens öffne ich meine Augen und weiß, dass ich bald schon zur Arbeit muss. Denn ohne Arbeit kein Brot und keine Wohnung, und auch kein Urlaub, mit dem die Gesellschaft mir die Illusion von Freiheit gibt - Prinzip Hundeleine. Denn nur der erholte Arbeiter ist ein guter Arbeiter.

Also schnell aufgestanden und unter die strombetriebene Dusche, die einen Höllenlärm macht, fast so gut wie ein Wecker ist das.

Zum Frühstück gibt es Brot der Marke “Deutscher Stolz”, ein großes Glas deutscher Milch (auf die mein Land so stolz ist) und natürlich reine deutsche Butter, sowie Marmelade aus garantiert 100% deutschen Beerenfrüchten.

Schnell eile ich zum Nahverkehrszug, der den Namen “PFEIL” trägt und begebe mich zur Arbeit. Drinnen vor allem Deutsche, die paar sichtbaren Ausländer werden gemieden und sitzen alleine, bis es so viele Fahrgäste gibt, dass man sich neben sie setzen muss. Polnisches Gesockse ist auch anwesend, die sind gut genug, um unsere Bürotürme aus dem Boden zu stampfen.

“Überflutet von Ausländern” und ähnliche Sprüche zieren den einen oder anderen Bahnsteig - schließlich ist man hier in Deutschland und nicht in Terroristan - wo soll das noch hinführen??

Wärend meiner Fahrt im “PFEIL” lese ich den “HERALD”, der mich über die wichtigsten Dinge informiert: wer wann wo Schönheitskönigin geworden ist, dass deutsche Forscher eine Antarktismission erfolgreich hinter sich gebracht haben, alle getöteten und Unfallopfer der letzten Nacht und natürlich den aktuellen Kinderschänder mit Foto und vollem Namen und Wohnort.

In der Arbeit denke ich nicht viel, bin froh wenn ich wieder in den Zug darf und ab nach Hause.

Noch kurz im Supermarkt vorbei, dessen Kassenzettel mir nicht nur die Gesamtsumme meines Einkaufs mitteilt, sondern auch, wie viel meines Geldes ich diesmal für “reine deutsche Produkte” ausgegeben habe.

Abends dann ein Fernsehprogramm, in dem es hauptsächlich um Trivia aus Deutschland geht und man den Rest der Welt so gut es geht ausblendet. Außer idiotischen Serien vielleicht noch ein auf Deutschland fixierter Rückblick über Geschehnisse im Land seit den 80er-Jahren.

Na, fühlt sich der geneigte Leser schon wie in einem schlechten Leni Riefenstahl - Film?

Nun, dann ersetze er einfach das Wörtchen “deutsch” jedesmal mit “irisch” und den “PFEIL” mit “DART” - et voilà dass ist in etwa mein Alltag!

Posted by: dunaengus | März 30, 2008

Antisemitismus… und mein Wort zum Montag.

Ganz groß, was in ‘Lizas Welt” zu lesen ist über Angela Merkels Rede vor der Knesset:

http://www.lizaswelt.net/2008/03/kleiner-leitfaden-fr-israelkritiker.html

Und im selben Blog auch gleich das wahre Gesicht der Hamas:

http://www.lizaswelt.net/2008/03/hamas-und-holocaust.html

Ich verstehe seit ein paar Jahren die sogenannte “Linke” in Deutschland eh nicht mehr.

Als ich noch 16 war (also vor 16 Jahren) trug ich kurzzeitig auch einen “Arafat-Schal”, weil das “irgendwie links, also cool” war. Die Palästinenser waren natürlich die Opfer israelischer Aggression, und ausserdem war der PLO-Schal gleichzeitig ein Statement gegen Nazis und rechtes Gesockse. Dachte ich damals.

Inzwischen hat sich meine Meinung gründlich geändert, das ganze “rechts-links”-Schema passt eh nicht mehr, wenn ich mich überhaupt noch in eine Schublade stecken lassen will, dann in die der sogenannten “Antideutschen” - aber auch da passt mir zwar die grundsätzliche Stoßrichtung (pro Amerika, Anti-Faschistisch, Anti-Patriotisch, Pro-Israel, Anti-Islamistisch) aber andere Dinge wiederum nicht.

Daher - lieber ohne Schublade…

Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass Israel der einzig halbwegs freie, demokratische Staat im Nahen Osten ist, dass derzeit ALLE arabischen Staaten, und 99% der islamischen Welt einer patriarchalischen, militaristischen, faschistoiden und fanatischen Gedankenströmung zum Opfer gefallen sind, dass die Mentalitäten in diesen Ländern Diktaturen favorisieren und freies Denken und Meinung äussern dort sehr unpopulär sind.

Ich bin weiterhin der Meinung, dass der Islam in seiner buchstäblichen Deutung daran Schuld ist -sogenannte “liberale, aufgeklärte” Muslime sind nämlich im Grunde Häretiker, die den Koran nicht wörtlich, sondern allegorisch auffassen - im strengen Wortsinne also Ketzer.

Ich denke, dass der Islam unter den grossen Weltreligionen die Reformresistenteste und Guerilla-geeignetste ist. Würde ich einem Außerirdischen meine Ablehnung aller Religion an Beispielen erläutern wollen, kämen die meisten Beispiele aus dem Islam und dem Christentum.

Der sogenannten “Westen” ist meiner Meinung nach nur da wirklich frei und fortgeschritten, wo er (auch seine eigene) Religion aufgibt, bestenfalls noch als Traditionspflege versteht und das wissenschaftlich-aufgeklärte Denken vorherrscht. Derzeit gibt es leider kaum “religionslose” Gebiete und Länder, dass wären dann die wahrhaft freien Staaten…

…Amen!

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